Die Botschaft des Kapuzinermönchs, Pater Solanus Casey
Wer war Pater Solanus? Er war ein einfacher Mensch, ein einfacher Priester.
Er war kein Gelehrter, obwohl er sich manchmal wie ein Dichter und Poet ausgedrückt hat. Er hielt keine akademischen Titel, seine Gedanken waren jedoch die Gedanken eines tiefgründigen Denkers. Zu seiner Lebenszeit war er seinem Zeitalter bei weitem voraus. Wie ein Prophet war er ein Mensch mit einer Botschaft für die Gegenwart.Wie ein Prophet machte er sich Gedanken um Gottes Menschen; er hat für die Bekehrung der Sünder gelitten und gewirkt. Seine Botschaft, die immer die Kunde von Glauben und Gottvertrauen war, sollte Trost und Ermutigung bringen. Mit gütiger Eindringlichkeit hat er auf unser richtiges Verhältnis und unser Vertrauen auf Gott und unsere Mitmenschen beharrt und Frieden dadurch bewirkt.
Dieser Kapuzinermönch, Pater Solanus Casey, wurde am 25. November 1870 in Wisconsin auf einem Bauernhof am Ufer des Mississippi geboren. Er war das sechste Kind in einer Familie von zehn Jungen und sechs Mädchen. Seine Eltern waren aus Irland eingewandert; sie gaben ihm den Namen Bernard, den Vornamen seines Vaters.
Von frühem Kindesalter an lernte er von seinen Eltern Gehorsamkeit, Strebsamkeit und Gottesfurcht. Das Leben auf dem Lande erzog ihn zum praktischen Handeln. Er wusste sich immer zu helfen. Er war stets darauf bedacht etwas zu dem Familieneinkommen beizutragen und mit 17 Jahren, nach einer Reihe von schlechten Erntejahren, verliess er willig den Bauernhof, um sich anderweitige Beschäftigung zu suchen. Eine Zeit lang schaffte er im benachbarten Stillwater, Minnesota, als Holzfäller. Er war ebenfalls als Aushilfswärter im Gefängnis tätig und schliesslich, nach Inbetriebnahme der neuen elektrischen Strassenbahnanlage in Stillwater, arbeitete er dort als der erste Strassenbahnschaffner.
1891 wurde ihm die Möglichkeit geboten einen langersehnten Traum, nämlich Priester zu werden, zu verwirklichen. Bei Beginn des Studiums war er 21 Jahre alt. Er wurde in das St. Francis Seminar in Milwaukee, Wisconsin, aufgenommen und widmete sich dort seiner geistigen und akademischen Ausbildung. 1896 ist er dem Rufe Gottes gefolgt und trat dem Kapuzinerorden bei. Man hat ihm den neuen Namen Solanus verliehen. Schon bald wurde er zu einem Vorbild der religiösen Observanz, allezeit gewissenhaft die heiligen Armuts-, Keuschheits- und Gehorsamkeits-gelübde beachtend. Obwohl er in seinem Studium einige Schwierigkeiten hatte, steuerte er dermassen zu der geistigen Erbauung seiner Ordensgefährten und Vorgesetzten bei, dass er am 24. Juli 1904 für würdig befunden wurde die Priesterweihe zu empfangen. Sein langjähriges priesterliches Amt hat dann in New York begonnen.
In den 14 Jahren, in denen er seine Tätigkeit im Kirchspiel “Sacred Heart” ausübte, ist er gleichzeitig den bescheidenen Amtspflichten als Kirchendiener und Pförtner nachgekommen. Er war ebenfalls der Leiter der Jungfrauen-Kongregation, Leiter der Ministranten und hat weiterer priesterliche Pflichten erfüllt. Sein andächtiges Beispiel während der Messe und Andachten hat sehr zu der geistigen Erbauung seiner Kirchgemeinde beigetragen. Durch seine christliche Nächstenliebe den Kranken, Kindern, den Nichtkatholiken und den Armen gegenüber, wurde er ebenfalls zu einem rühmlichen Vorbild.
Die Kranken haben ihn besonders verehrt. Sie haben seine priesterlichen Besuche und seine tröstenden Worte mit Ungeduld erwartet. Dieser apostolische Kranken- und Armendienst wurde an anderen Orten fortgesetzt. Für die Dauer von 3 Jahren wurde er in die Kirchgemeinde “Our Lady of Sorrows” im Stadtgebiet von New York berufen und anschliessend für 3 Jahre in die Kirchgemeinde “Our Lady of Angels” in Harlem, New York. Obwohl inzwischen mehr als 50 Jahre vergangen sind, erinnert man sich in diesen Gemeinden heute immer noch mit grosser Ehrfurcht an seinen Namen.
Schon bald nach Antritt seines Amtes in Kapuzinerkloster St. Bonaventure in Detroit, am 31. Juli 1924, wurde Pater Solanus wegen seiner Tugenden bekannt und beliebt. Er hatte immer Zeit für die Kranken und Armen; er sprach den bedrückten Seelen Mut zu, und er hat seine Hilfe allen Menschen, jung und alt, ganz gleich welcher Herkunft, zuteil werden lassen. Er war stets bereit und gewillt einem jeden jederzeit Gehör zu schenken. Seine wohltätigen und tröstenden Dienste sind besonders in der grossen Depression von 1929 in die Augen gefallen. Damals hat seine Besorgnis um die Armen die Kapuziner in Detroit dazu inspiriert, eine Suppenküche ins Leben zu rufen, und diese Wohltätigkeitsein-richtung besteht noch bis zum heutigen Tag.
Während der Kriegsjahre von 1941 bis 1945 hat Pater Solanus mit Rat und Gebet so mancher bekümmerten Familie, deren Angehörige zum Kriegsdienst eingezogen worden waren. Beistand und Unterstützung geboten. In seiner Begeisterung für die Ausbreitung des katholischen Glaubens hat er sich tatkräftig für die Unterstützung der Missionen eingesetzt, und den Nichtkatholiken gegenüber hat er besonder Nächstenliebe und besonderes Interesse entgegengebracht. Viele von diesen sind aufgrund seines weisen Rates und feurigen Glaubens dem katholischen Glauben zugeführt worden.
Mit grossem Eifer hat er seine Dienste stets den Kranken und den Betrübten gewidmet. Diese Bemühungen hat er unermüdlich fortgesetzt - auch später im hohen Alter als seine Vorgesetzten ihn im Frühjahr 1946 in das St. Felix-Kloster in Huntington, Indiana schickten, damit er sich dort seines wohlverdienten Ruhestandes erfreuen sollte. Er verbrachte seine Zeit im Gebet und im Dienste der Kranken und Betrübten, bis seine eigenen Gebrechen ihn für eine medizinische Fachbehandlung nach Detroit zurückbrachten.
Achtzehn Monate später, nach einmonatigem Krankenhausaufenthalt, währenddessen er seine Schmerzen standhaft und mit Gleichmut ertrug, war sein langes Leben der Aufopferung vollendet. Er hat sein Leben in vollständiger und absoluter Aufopferung für die Verherrlichung Gottes nd für die Sanktifikation seiner Mitmenschen zugebracht; ein Leben, das in vollkommener Weise die Pflichten eines Christen, eines Ordensbruders und eines Priesters Gottes verkörperte.
Auf seinem Totenbett hat er sich wie folgt geäussert: “Ich opfere mein Leiden auf, damit Einigkeit auf der Welt herrschen möge. Wenn ich doch nur die Bekehrung der ganzen Welt sehen könnte”. Als letzter wissentlicher Akt hat er sich in seinem Bett mit dem Ausruf aufgerichtet: “Ich übergebe meine Seele an Jesus Christus”. Pater Solanus ist am 31. Juli 1957 im Alter von 86 Jahren verstorben. Seine letzte Ruhestätte liegt im Kloster St. Bonaventure, Detroit, Michigan.